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Sonnenuhr

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Der Binger Sonnenuhrturm gibt den täglichen Lauf der Sonne von Osten nach Westen und ihr jährliches Auf und Ab zwischen den Sonnenwenden wieder. Von ihrem allmorgendlichen Aufgang stetig ansteigend, erreicht die Sonne im Süden den täglichen Höchststand. Dies ist der wahre Mittag und 12Uhr wahre Ortszeit (WOZ) vor Ort, also in Bingen. Dieser Mittag teilt den Tag tatsächlich in zwei gleichlange Hälften und es dauert nun genauso lang, bis die Sonne am Abend wieder untergeht.

Die wahre Ortszeit, also die natürliche Zeiteinteilung von der Sonne, kann man von den nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichteten Sonnenuhren ablesen. Ein Vergleich der WOZ mit der Zeit auf der Armbanduhr zeigt, dass diese nicht übereinstimmen.

Die wahre Ortszeit bestimmt den Rhythmus der Tier- und Pflanzenwelt. Dagegen ist die Zeit auf der Armbanduhr eine vom Menschen erdachte, seinen Bedürfnissen angepasste Zeiteinteilung. Diese ist heute – gleichmäßig getaktet und in 24 Zeitzonen standardisiert – für die weltweite Kommunikation unabdingbar. Die für Deutschland gültige Zonenzeit ist die mitteleuropäische Zeit (MEZ). Auch sie ist vom Sonnenuhrturm ablesbar. Dazu dient das Diagramm unter den Zifferblättern.

Die schlanke „Achterschleife“ 
auf der Nordseite des Sonnenuhrturms ist die Stundenlinie für den mittleren Mittag in Bingen. Der vom Sonnenlicht projizierte Lichtpunkt passiert diese Schleife also um 12 Uhr mittlere Ortszeit (MOZ) beim entsprechenden Datum. Die mittlere Ortszeit ist quasi der Jahresmittelwert der ungleichmäßigen wahren Ortszeit. Der mittlere Mittag am Zeitzonenmeridian der mitteleuropäischen Zeit (15° O) ist definiert als 12 Uhr MEZ. In Bingen (8° O) findet der mittlere Mittag erst um 12:28 MEZ statt. Die Differenz von 28 Minuten ist die Dauer, die die Sonne vom Zeitzonenmeridian bis Bingen braucht.

Wenn der Lichtpunkt die senkrechte schwarze Linie überquert, ist es wahrer Mittag (12 Uhr WOZ). Je nach Datum tritt dieses Ereignis vor oder nach dem mittleren Mittag ein und die Zeitdifferenz ist die sogenannte Zeitgleichung (am 18. April ≈ 0 Minuten). Die jährliche Wanderung der Sonne zwischen den Wendekreisen kann man auf allen Sonnenuhren verfolgen. Zu den Sonnenwenden und den Tagundnachtgleichen laufen die Schattenspitzen der Schattenwerfer und der Lichtpunkt entlang der eingezeichneten Linien – die jeweilige Jahreszeit beginnt.