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Industriekran

Industriekran

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Der Industriekran ist ein Laufkran auf einer Kranbahn der Firma Fries (1964). Unter dem Auslegearm befindet sich eine gestaffelt aufgehängte Führerkabine. Der Kran bildet ein modernes Pendant in Stahlbauweise zu dem nur unweit gelegenen, hölzernen »Alten Kran« – nach Ausgrabungen des Fundamentes auf das Jahr 1487 datiert – ein technikgeschichtlich interessantes Ensemble, das rund 300 Jahre „Krangeschichte“ verkörpert.

In Reminiszenz an die ehemalige Existenz eines großen Verladehafens auf dem Gelände des heutigen Hafenparks hat man sich entschieden, den Kran als Industriedenkmal zu erhalten. Mit dem Umbau des ehemaligen Hafengeländes als Teil der Landesgartenschau hat sich die gesamte Höhenentwicklung der Fläche verändert. Der Hafenpark untergliedert sich in drei Ebenen. Die Ebene 1 verläuft als Promenade direkt am Wasser. Die Ebene 2 wurde von ihrem ursprünglichen Niveau um 1,2 m abgesenkt. Die Ebene 3 dafür ca. 1,6 m angehoben. Für die Absenkung der Ebene 2 wurde die ehemalige Hafenspundwand durchtrennt und entfernt, sowie das gesamte Gelände abgetragen. Dies machte auch die Versetzung des Krans notwendig. Dafür wurden zunächst neue Gleise auf die tieferliegende Fläche gebaut. Im November 2006 wurde der Stahlkran mit einem 100 t-Autokran an den Haken genommen und auf die neuen Gleise umgesetzt. Als Landmarke ist der Kran nun auch nachts zu sehen. Ein neues Beleuchtungskonzept setzt das Industriedenkmal gekonnt in Szene.

Hubertus von der Goltz - Kulturelles Bingen

»Begegnung«
Aluminium pulverbeschichtet – 2007

Man erkennt von der Goltz’ Werke daran, dass er mit Skulpturen in die gewohnte Umwelt eingreift und dem Betrachter dadurch neue Sichtweisen eröffnet. In Bingen hat er sich anlässlich der Landesgartenschau 2008 im Rahmen von »Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein« als Bezugspunkt seiner Installation den Industriekran ausgewählt, der eine prominente Rolle in der Silhouette am Hafenpark einnimmt. Der Industriekran, dessen Erhalt als Denkmal nicht immer gesichert war, ist damit nicht nur ein historisches Monument der Geschichte des Hafenparks, sondern wird zugleich inhaltlich und ästhetisch Teil der Kunstinstallation.

Am obersten Punkt des Kranarmes steht in frontaler Position die weniger als zwei Zentimeter tiefe Silhouette einer Frau, erkennbar an den sich seitlich ausformenden Brüsten und der schmalen Hüfte. Sie hat die Arme in einer Gestik des Balancierens seitlich erhoben. Fragiler wirkt die Position des Mannes, der sich auf halber Höhe des Kranarmes ihr zu nähern scheint. Sein Körper, den der Künstler ebenfalls als flaches Relief im Profil präsentiert, zeigt nicht die aufrechte Haltung des souveränen Seiltänzers. Sein Blick ist auf die Füße gerichtet, und während ein Arm weit erhoben ist, steht der andere diametral gesenkt entgegen. Der Mann scheint sich auf die Frau hinzubewegen, er muss sich momentan aber ganz auf sich selbst konzentrieren, um überhaupt die Balance halten zu können.

Für von der Goltz sind die Wege, die er uns in seinen Kunstwerken aufzeigt, Symbole für die Probleme des Menschen. Jeder Mensch ist mehr oder weniger konstant damit beschäftigt, sein Leben in der Balance zu halten und weitere Schritte nach vorne zu gehen. Von der Goltz lädt uns hier auf unkonventionelle Weise ein innezuhalten und unser eigenes Dasein mit demjenigen der Menschen auf dem Kran abzugleichen. Da der Kran sich je nach Windrichtung dreht, entsteht eine spannende Beziehung. Dem Betrachter präsentieren sich zu verschiedenen Zeiten die etwas überlebensgroß konzipierten Aluminiumsilhouetten der »Begegnung« in immer wieder neuen und ungewohnten Sichtweisen.

Wenige Künstler haben eine Vita, wie der Bildhauer Hubertus von der Goltz sie vorzuweisen hat. 1941 in Ostpreußen geboren, hat er sich als junger Mann einem ganz anderen Bereich zugewandt. Er schloss an eine Klavierbauerlehre eine Musikalienhändlerlehre an, bevor er sein Studium mit 27 Jahren an der Hochschule der Künste in Berlin in der Architekturabteilung aufnahm und ein Jahr später in die Abteilung Freie Kunst wechselte. Seit dieser Zeit hat er viele Preise gewonnen, war mehrmals als Gastkünstler an verschiedenen Universitäten in den Vereinigten Staaten und lebt und arbeitet in Berlin und Potsdam.