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Eisweindenkmal

Eisweindenkmal

Naturgetreue Nachbildung einer besonderen Rebzeile

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Eiswein ist eine ganz besondere Erfolgstory aus der jüngeren Weingeschichte. Das Eisweindenkmal erinnert an die eher zufällige Entdeckung dieser goldfarbenen Weinköstlichkeit in Bingen-Dromersheim. Es waren erfrorene, aber öchslestarke Weintrauben, aus denen Binger Winzer einen kostbaren Wein schufen.

Gestiftet vom Weinsenat Binger Mäuseturm e.V. entstand nach einem Entwurf der Binger Architektin Britta Dickescheid die naturgetreue Nachbildung einer Rebzeile mit Eisweintrauben.

Die Geschichte des Eisweins

Eiswein ist eine in der Welt einzigartige Spezialität deutscher Winzer, der auf Grund der besonderen klimatischen Verhältnisse ausschließlich in Deutschland hergestellt werden kann. Die auf einem Hektar gewonnenen Mengen sind dabei im Vergleich zu einem normalen Ertrag äußerst gering, da die Trauben erst im gefrorenen Zustand geerntet werden können und damit ein hoher Flüssigkeitsverlust einhergeht. Dadurch ist dieser Wein von erlesener Qualität, mit einem hohen Preisniveau. Das Mostgewicht muss heute mindestens 120 Grad Öchsle betragen.

Die Wiege des Eisweins steht in Bingen-Dromersheim, wie unten im Artikel aus dem Rheinischen Volksboten von 1882 zu lesen ist:

Rheinischer Volksbote, Samstag, 21. Oktober 1882

*Aus Rheinhessen: Die Trauben des 1829er Herbstes wurden wegen Mangel an Reife an verschieden Orten gar nicht gelesen, oder wo sie es wurden, lieferten sie nur einen äußerst schlechten und sauern Wein. Herr Henner aus Mainz, Besitzer bedeutender Weingüter, theilte in dieser Beziehung eine Wahrnehmung mit, die für die Weinbaukunde von hohem Interesse und jedenfalls eine Erscheinung von großer Merkwürdigkeit zu sein scheint. Bedachter Herr Henner befand sich am 12. Februar 1830 im Weingut zu Dromersheim und berichtet darüber folgendes: Die Kälte, die allerwärts und so auch in genanntem Dorfe Entbehrungen aller Art herbeiführte, ließ auch bald einen Mangel an Fütterung für das Vieh befürchten; mehrere Bewohner verfielen daher auf die Idee, einen Versuch zu machen, ob die noch an den Stöcken hängenden Traubenrudern, gleich wie die ausgekelterten Rabben oder Trester, nicht zur Nahrung für das Vieh dienen könnten. Der Versuch gelang nicht nur, sondern man fand auch in diesen 22 Grad Kälte überstandenen Trauben viele und zwar süße Flüssigkeit, so daß man die weitere Probe begann, diese Trauben durch einen Sack auszupressen und den Saft zu sammeln, woraus sich ein Most ergab, der an Geschmack und Gehalt dem eines guten Herbstes vollkommen glich. Man fürchtete anfänglich, diese süße Flüssigkeit sei unnatürlich und könne vielleicht schädlich sein; man unterwarf sie daher der Gährung und diese ging, wie bei dem gewöhnlichen Most, leicht vor sich, so daß dieser neue federweiße Wein bereits seine Wirkung mehrfach äußerte. Herr Henner hatte zwei Flaschen dieses Mostes nach Mainz gebracht, und Alle, die ihn kosteten, stimmten vollkommen in ihrem Urtheile mit überein, was oben davon gesagt wurde; er hinterlegte außerdem ein amtliches Zeugniß, von dem Herrn Bürgermeister Schmitt in Dromersheim ausgestellt, daß der fragliche Most von den Trauben vom Jahre 1829, welche am 11. Februar 1830 gelesen wurden, herrührte.