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»Poseidon«

»Poseidon«

Jo Kley

Anröchter Dolomit – 2008

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Poseidon, der Meeresgott, ist eine jähzornige und gewaltsame Figur der Mythologie. War er gut gelaunt war, so schuf er neue Inseln und ließ die See ruhig und schiffbar sein. Erregte er sich, so stach er mit seinem Dreizack in die Erde, verursachte Erdbeben und Meeresstürme und brachte Schiffe zum Sinken. Poseidons aufbrausenden Charakter hat der Bildhauer Jo Kley in eine Welle übersetzt. Die Welle bäumt sich auf und kann alles mit sich mitreissen. Der Betrachter sieht aber nur den Beginn des Aufbäumens. Genauso kann es sein, dass Poseidon sich gleich wieder beruhigt und in seinen kristallenen Palast in der Tiefe des Meeres zurückzieht.

Der Künstler hat den Charakter des Meeresgottes formell ins Abstrakte übersetzt. So konzentriert er sich hier auf die Form der Welle oder auch Spirale, um die den Formen inneliegenden Assoziationen mit der Götterfigur in Einklang zu bringen. Zugleich greift er in diesen Formen auf Vorlagen zurück, die bereits in der Natur zu finden sind.

Jo Kley, der seinen „Poseidon“ während des Bildhauersymposiums 2008 im Rahmen von „Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein“ in Bingen geschaffen hat, ist für solche Symposien schon viel um die Welt gereist: nach Italien, Ägypten, Japan, USA, Norwegen und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Zu Beginn des Arbeitsprozesses wurde der monumentale Block aus Anröchter Dolomit mit Presslufthammer und Flex bearbeitet. Im der Folge nahm die „Handarbeit“ eine wichtigere Rolle ein. Den Feinschliff erhalten Kleys Werke durch viele Poliervorgänge von Hand. Allerdings ist es im Binger „Poseidon“ gerade gewollt, dass die Oberfläche nicht zu glatt ist, sondern einzelne Bearbeitungsschritte noch sichtbar sind. Das entspricht durchaus dem rauen und unbeugsamen Charakter des Meeresgottes.

Jo Kley hat erst eine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer in Ulm absolviert, bevor er an der Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung in Kiel Bildhauerei studierte. Seit 1995 ist er freischaffender Künstler und lebt in Kiel, wo ein stillgelegtes Kieswerk ihm als Atelier dient. Die lebendigen und manchmal eigenwilligen Arbeiten eines Michelangelo oder Gianlorenzo Bernini faszinieren den Künstler, der sich durch das Aufgreifen mythologischer Thematik durchaus in Verbindung zur Geschichte der Skulptur bringt. Umso interessanter ist es für den Betrachter zu sehen, wie auch in der Abstraktion Mythologisches umgesetzt und vermittelt werden kann. Welcher Platz wäre da auch nahe liegender, als den Meeresgott möglichst nah am Wasser und am Zusammenfluss zweier Flüsse zu platzieren.